Redebeitrag zum Holocaust Gedenktag 2024, Münster


Als Mitglied der Arbeitsgruppe “Schule ohne Rassismus, schule mit Courage” durfte ich am vergangenen Donnerstag (25.02.2024) den Holocaust Gedenktag der Schulen Münster, mit einer Schweigeminute Eröffnen.

Bischof von Galen sprach einst von einer heiligen Gewissensverpflichtung, von der uns keiner lösen kann, koste es uns auch das Leben: „Nie, unter keinen Umständen darf der Mensch außerhalb des Krieges und der gerechten Notwehr einen Unschuldigen töten.“ 

Das eben genannte Zitat hielt Bischof von Galen im Zentrum Münsters, in seiner bekannten „Euthanasie-Predigt“ im Jahr 1941. Ungeachtet dessen welche Konsequenzen durch die Nationalsozialisten er zu erwarten habe, fasste er seinen Mut und sprach sich für Frieden, Freiheit und Fürsorge aus.

Heute gedenken wir den sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. Wir Gedenken auch den Menschen, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer politischen Ansichten verfolgt und ermordet wurden.

Ein Jahr ist es nun her, dass ich die Eröffnungsrede zum Holocaust Gedenktag zuletzt halten durfte. Dieses Jahr markierte einen Wendepunkt in unserer Welt.

Die Ereignisse des 7. Oktobers und die kürzlich erschienenen Schlagzeilen zu „Remigrationsplänen“ machen deutlich, wie wichtig das „nie wieder“ gerade heute ist.

Das vergangene Jahr zeigte uns deutlicher denn Je, dass der Antisemitismus kein abgeschlossenes Kapitel der deutschen Geschichte ist.

Wir tragen gerade heute eine bedeutsame Verantwortung vergangene Verbrechen nicht zu wiederholen, sondern gemeinsam für Frieden einzustehen.

Die letzten Monate zeugten jedoch auch von der Widerstandsfähigkeit unserer Demokratie.

So versammeln sich in diesen Tagen hunderttausende Menschen auf den Straßen. Ungeachtet ihrer parteipolitischen Ansichten demonstrieren sie gemeinsam gegen Diskriminierung und Abschottung. Allein in Münster waren es über 20 Tausend Menschen. 

Aber nicht zuletzt auch wir, Schülerinnen und Schüler der Münsteraner Schulen, tragen mit unseren Aktionen dazu bei, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten und Aufklärung zu den Verbrechen des NS-Regimes zu betreiben. 

Gemeinsam haben wir uns in den vergangenen Wochen und Monaten mit dem Holocaust beschäftigt und Projekte erarbeitet. 

Lasst uns daher gemeinsam nicht nur den Opfern des Nationalsozialismus gedenken, sondern auch denjenigen, die noch heute unter Diskriminierung leiden.

Während des zweiten Weltkriegs begannen die Nationalsozialisten Kirchenglocken einzuschmelzen, um daraus Waffen herzustellen. Später wurden diese Waffen wieder eingeschmolzen, um daraus Peace Bells herzustellen. Heute darf ich mit der Peace Bell des Pascal-Gymnasiums das Gedenken an die Opfer des Antisemitismus einleiten.



Entnommen meiner Eröffnungsrede zum Holocaust Gedenktag 2024 in Münster (Westf.).



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